Tutorial: Schaft eines E-Motor für Kajak kürzen

Vorweg kurz warum ich mich für einen E-Motor entschieden habe: 

Die Hersteller von Kajak haben im Grunde alle Varianten im Programm, vom Paddel- Kajak über Tretantriebe mit Schraube oder Wings (Hobie) findet der Suchende eigentlich jede nur erdenklich Variante von SOT- Kajak – und eben auch welche mit fest eingebautem Elektromotor.

Ich wollte unbedingt Paddeln, habe bei der Erstanschaffung aber auch ehrlich gesagt die Kosten eines angetriebenen Kajak gescheut, denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja noch gar nicht ob ich überhaupt dabei bleiben würde…oder viell. nach einer Saison zu einem Schlauchboot oder sonstwas wechseln würde?

Mir hat es mit dem Kajak vom ersten Tag an sehr viel Spaß auf dem Wasser gemacht, es gibt aus meiner Sicht keine preiswertere, spannendere und auch effektivere Art den Fisch in Küstennähe im tieferen Wasser zu erreichen, ohne mehr Fische zu verjagen als man dann tatsächlich auch fangen kann.

Nur Schleppen ist einfach eine mühsame Sache ohne Antrieb:  

Beim Paddeln hast du beide Hände voll, hörst du kurz auf dreht sich das Boot ohne Vortrieb in die Strömung, deine Schnüre sind dann im ungünstigsten Falle ruckzug über kreuz, und zwar 10m hinter deinem Rücken… bei einem Drill ist dies ebenso schnell passiert, irgendwann nervt dies gewaltig und du wirst zum reinen Wurfangler oder schleppst nur noch eine Rute – was die Chance auf Fisch schon mal ganz klar halbiert.

Antriebs-SOT sind mir schlichtweg zu teuer, da gibt es eigentlich nur eine rühmliche Ausnahme mit dem Catfish von Grapper Kayak  – ABER noch mehr Speed ohne jeden Schweißtropfen auf der Stirn, gibt es nur mit einem E-Motor. Aber auch aus einem anderen Grund interessiert mich das Catfish, dort lässt sich nämlich auch ohne viel Aufwand der Padalantrieb entnehmen und durch einen E-Motor ersetzen. dies wäre dann ggf. bei mir die zweite Ausbaustufe.

Schaft des E-Motor kürzen:

Elektromotoren für Kleinboote gibt es reichlich, für Kajak besitzen diese aufgrund des geringen Tiefgangs in der Regel jedoch einen zu langen Schaft. Motoren unter 40 LBS würde ich an einem Kajak nicht verwenden, damit erreicht man jedoch bei dem geringen Tiefgang eines SOT einen beachtlichen Vortrieb.

minn kota

In meinem Fall konnte ich günstig einen gebrauchten Minn Kota mit 40 LBS erstehen, wobei die Marke des Motors keine Rolle spielt, alle E-Motoren sind nach dem gleichen Muster aufgebaut, insofern ähneln sich die nötigen Arbeitsschritte sehr.

Ran an die Sache:

Zunächst sollte man schon in etwa wissen an welcher Stelle des Kajak der Motor befestigt werden soll, denn um wie viel der Schaft gekürzt werden soll, ist auch davon abhängig. In meinem Falle waren es genau 45cm die die Bedieneinheit für meinen Geschmack zu hoch stand, als ich den Motor am Kajak angehalten habe.

Um ein wenig mit der Tiefe der Schraube und der Höhe der Bedieneinheit variieren zu können, habe ich mich also dazu entschlossen den Schaft um 40cm zu kürzen. Eigentlich ist dabei nur darauf zu achten das die Schraube mit ihrem vollen Durchmesser unter dem tiefsten Punkt des Kajak- Kiel liegt.

Demontieren des Deckels der Bedieneinheit:

Zunächst schraubt man also den Deckel der Bedieneinheit ab, beim Minn Kota werden dazu 6 Schrauben auf der Unterseite gelöst und schon kann der Deckel samt Finne abgenommen werden, Vorsicht, die Finne hat eine Blattfeder die ein Einrasten ermöglicht und es befinden sich zwei Kabel am Deckel, für die Anzeige der Batterieleistung!

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Alle Kabel abziehen:

Nun werden alle Kabel von der offenen Elektronik-Einheit des Motors abgezogen, VORHER aber unbedingt ein Foto von den Anschlüssen machen, denn es sind insgesamt 2 Plus- und 2 Minuspole die später wieder richtig angeschlossen sein wollen, damit alles richtig angesteuert wird. Elektronikeinheit und Finne sind mit einem Flachkabel verbunden, das ich an Ort und Stelle belassen habe und beide Teile also zusammen auf die Seite gelegt habe.

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Wenn der Deckel samt Bedieneinheit abgenommen und alle Kabel abgesteckt sind, kann man die beiden Power- Kabel nach unten aus dem Gehäuse der Bedieneinheit ziehen und das untere Gehäuse  ebenfalls vom Schaft abschrauben, dazu sind 2 Schrauben an einer Klemme zu lösen und eine 5 mm Durchgangsschraube (die komplett durch den Schaft die Bedieneinheit geht und diese auf Position hält) abzuschrauben, übrig bleibt dann nur noch der Schaft mit Motor und Schraube.

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Vorher noch abmessen wie lang die beiden Kabel aus dem Schaft raus schauen sollen, oder eben auch genau um 40cm kürzen.

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Jetzt wird an der Stelle des Schaftes an der der Schnitt erfolgen soll eine Markierung angebracht, ich habe dazu einfach etwas Isolierband umwickelt. UND vorher einen Schlauch nach innen über die beiden Kabel geschoben, damit diese durch das Absägen nicht beschädigt werden können. Ganz wichtig! Metallsäge marsch, schön kreisförmig um den Schaft herum das Rohr durchsägen, dieses hat eine Wandstärke von 4mm!

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Wenn man sorgfältig gesägt hat, braucht man das Rohr hinterher kaum mit der Feile zu glätten, die Kanten etwas brechen und den Schlauch innen noch nicht entfernen, da die beiden Bohrungen oben am Schaft nun an neuer Position wieder gebohrt werden müssen.

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Dazu wird der Abstand am alten Schaft genau gemessen und auf den gekürzten Schaft übertragen:

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Wenn die Position angerissen ist, vorbohren, fertigbohren, dann kann der Kabel-Schutz-Hilfeschlauch entfernt werden.

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Jetzt den Flansch der Gehäuseunterseite im Schaftsitz etwas mit Silikon einschmieren und wieder montieren…

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Im nächsten Schritt wird die Elektronik wieder im Gehäuse verschraubt und alle Anschlüsse gesteckt. die beiden gekürzten Kabel bekommen dazu neue Kabelschuhe, einfach verquetschen und mit etwas Isolierband abisolieren. Alles ist wieder an seinem Platz und verbunden:

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Jetzt die Blattfeder wieder zwischen Finne und Gehäuse montieren, die beiden Kabel des Deckel verbinden und mit den 6 Schrauben von unten aufschrauben, fertig!

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Nun geht es an den Testlauf, dazu habe ich einen alten Sägebock zum Motorständer umfunktioniert, um den Motor trocken testen zu können:

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Das Ergebnis ist in dann in dem unterem Video zu sehen:

Und wo ich gerade einmal dabei bin, zeige ich kurz wie ich meinen Kajaksitz mit einem Staufach unterbaut habe, damit ich nicht immer in einer Pfütze und ca. 12cm höher sitze.

Wie ich den Motor am Kajak selbst befestige (ohne dazu Löcher in den Rumpf bohren zu müssen) zeige ich in einem der nächsten Artikel. Ich freue mich schon darauf mit dem nun fix motorisierten Kajak das erste Mal ans Wasser zu kommen – und nun auch in der Lage zu sein, auch einmal einen schnellen Spotwechsel vornehmen zu können!

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