Rutentest Meerforellenruten, preiswert gegen Mittelklasse und Oberklasse

Im Praxistest: Lars Hansen Seatrout, Daiwa Seahunter x Seatrout, Northtackle Custom Rod Mefospin

 

Überarbeitet und heute ( 27.06.2016) neu aus alter Webseite für diesen Blog veröffentlicht:

13553227_1648598472132648_496128588_nBevor ich zum eigentlichen Test & Rutenvergleich von Meerforellenruten komme, möchte ich noch ein wenig weiter zu den vielen Produkten am Markt, aber auch zu den Vorstellungen mancher Angler dazu ausholen: Es ist wirklich mehr als erstaunlich, was Hersteller von Angelzubehör, aber auch mancher Angelkollege an der Küste für eine Vorstellung zu einer optimal auf das Fischen auf Meerforelle geeigneten Rute haben?

Erstaunlich deswegen, weil die dazu getroffene Auswahl des Blank eine beachtlich große Bandbreite hat. Auf die „Flachmänner“ unter den Meerforellenruten am Markt möchte ich erst gar nicht eingehen, dazu fehlt mir schlichtweg die Zeit und auch die Lust.

Nach meinen eigenen Beobachtungen Fischen etwa 25% der von mir an der Küste beobachteten Angelkollegen eine eigentlich zu weiche Rute. Noch deutlich größer aber ist der Anteil der Angler, die eine eigentlich zu harte Rute fischen, dieser liegt bei um die 60%. Dies hört man in der Nähe eines anderen Anglers stehend, schon am Wurfgeräusch. Der typische, aggresiv-helle Zischlaut den viele Ruten selbst bei noch mässiger Beschleunigung beim Auswurf produzieren signalisiert eine eindeutig zu steife Rute.

Auch gibt es Trends denen manche Angler folgen, Schickimicki am Wasser nenne ich dies, wenn ein paar Gramm Gewicht bei der Auswahl von Rute oder Rolle ein gültiger Maßstab sein sollen, der dann auch nicht selten noch einmal ein paar Hundert Euro eures Budget völlig unsinnig verschlingt.

Nicht Fisch und nicht Fleisch

Es ist auch verwunderlich das einige Küstenangler, obwohl diese durchaus oft an die Küste kommen, Rutenkompromisse eingehen. Dies liegt in der Regel dran, dass der Anteil des Küstenangelns bei diesen Angelkollegen geringer ist, als der, den man offenbar an Flüssen und Auen verbringt. Mit eben diesem Hintergrund wird dann allgemeines Raubfisch-Tackle auf Meerforelle eingesetzt, dass eigentlich für das Gummifischen auf Zander & Co. gedacht ist. Dies halte ich für einen völlig falschen Ansatz, wenn man die nächsten Jahre gut ausgerüstet, durchaus also des öfteren, unterwegs auf Meerforelle an der Küste sein will. Angesichts moderater Preise bei Zielfischruten halte ich von solchen Kompromissen nichts. Wenn ich auf Zander oder Hecht unterwegs bin, nehme ich ja auch eine Rute, die genau dazu passt und die dazu gewünschten Eigenschaften besitzt.

Warum sollte also beim Angeln auf Meerforelle eine Rute gewählt werden, die nur bedingt dazu geeignet ist, bedingt deswegen, weil sie gar nicht dazu gedacht und konzipiert wurde. Worauf es bei der Auswahl einer Meerforellen Rute (aus meiner Sicht) ankommt, beschreibt der folgende Artikel…

Anforderungen an eine Meerforellen Rute

Eine Meerforellen Rute muss vor allen eines können: Kraftvoll genug sein um auch schwere Köder (beim Meeforellenangeln sind dies Ködergewichte v. ca. 15 bis 35g) so weit wie möglich werfen zu können, aber auch sensibel genug sein, um die Kopfschläge, Sprünge und Fluchten auch größerer Fische bis zu 10 Kg noch sanft genug abfedern zu können.

Dies klingt zunächst wie eine relativ leichte Aufgabe und trifft auch auf viele andere Arten des Angelns auf Raubfisch zu, auch sind sich alle Hersteller dazu einig, dass der optimale Blank dazu eine semiparabolische Aktion haben sollte. Nur ist dies ein relativ dehnbarer Begriff.

Die Bauart

Meerforellen Ruten sind in der Regel zw. 3,00-3,20m lang, haben einen ca. 60cm langen Griff und der Blank hat eine semiparabolische Aktion, wobei die Spitze noch relativ sensibel sein sollte. Aufgrund der benötigten Hebelwirkung beim Wurf haben sich die auf den ersten Blick im Vergleich zu anderen Zielfischruten, ungewöhnlich langen Griffe bewährt und bilden heute den Standard. Soviel zur Theorie, nun wenden wir uns aber der Praxis zu.

Test: Theorie und Praxis

So einfach dies klingt, man kann nur wirklich objektiv beurteilen, was man selbst in der Praxis getestet hat, dies gilt in Bezug zu Meerforellen Ruten natürlich nicht weniger. Ich kann nur jedem Küstenangler eindringlich empfehlen vor einer Kaufentscheidung eine Rute in die Hand zu bekommen, dies möglichst direkt am Spülsaum. Ihr werdet sicher die Gelegenheit bekommen z.B. die Rute eines Freundes mal für ein paar Minuten in die Hand zu bekommen. Nur auf diese Weise lassen sich zum Teil feine Unterschiede in der Aktion feststellen….und nehmt bitte dazu die Rolle, die Schnur und auch die Köder, die ihr sonst auf eurer eigenen Rute fischt, nur so ist ein objektiver Vergleich überhaupt möglich.

Ich hatte zum Meforuten – Test die oben genannten Ruten zur Verfügung und ich kann jetzt schon sagen, dass auch die Testkandidaten so unterschiedlich in ihren Eigenschaften sind, wie man es sich differenzierter kaum vorstellen kann.

Daiwa Seahunter X Seatrout (untere Preisklasse)

Daiwa Seahunter xDie Daiwa ist eine ausgesprochen preiswerte Rute und mittlerweile im Handel für kaum mehr als 50-60 Euro zu haben. Sie ist 3,10m lang und hat ein Wurfgewicht v. 10-40g. Die Rute ist trotz des geringen Preises sehr gut verarbeitet, der silberne Blank ist wohl reine Geschmackssache, aber hier geht es ja auch nicht um die Optik. Mein erster Eindruck war, zu weich, doch dies teuscht. Die Rute hat eine sehr brauchbare Aktion, läd sich beim Wurf überraschend gut auf und besitzt eine sehr sensible Spitze, die im Drill sofort auf jeden veränderten Schnurdruck reagiert, ohne dabei zu hart oder gar schlaff zu wirken. Wenn man die sehr feinen Unterschiede zu anderen Ruten nicht kennt, wird man mit der Daiwa über Jahre hinweg sehr zufrieden sein und viele Fische sicher landen. Die Daiwa ist mein Tipp für Anfänger die nicht gleich viel Geld investieren möchten und keinen vielleicht etwas überzogenen Anspruch an ihr Küstengerät haben – und damit gleichzeitig der klare Favorit für die untere Preisklasse! Ich hatte vor einigen Wochen Gelegenheit eine etwas teurere Rute aus dem Hause Daiwa ebenfalls zu testen, die konnte es am Wasser auch nicht besser…

Lars Hansen Seatrout (mittlere Preisklasse)

Lars Hansen Seatrout
Foto: Marcus Lüpke

Die Lars Hansen Seatrout ist im Handel nun schon um die 80 Euro zu bekommen, dies ist sicher auch dem Nachfolgemodell geschuldet, dass seit ein paar Monaten als 3-teilige Variante auf dem Markt ist. Ich bin da eher Purist und habe mich für das ältere Modell mit klassischem Korkgriff entschieden. Wer die Angelei auf Meerforelle etwas intensiver betreibt und einen etwas detaillierteren Anspruch an sein Gerät mitbringt, sollte sich die Lars Hansen Seatrot einmal ganz genau ansehen, und noch wichtiger, mit dieser ein paar Würfe am Wasser machen! Die Lars Hansen Seatrout ist auf dem Papier 3,15m lang und besitzt ein Wurfgewicht v. 20-45g. Die Verarbeitung ist ganz klar Oberklasse, von den Bindungen bis zur Auswahl der Komponenten, dort ist nichts aus Kunststoff, weder Zierringe noch Rollenhalter und auch nicht das Gewinde des Rollenhalters, kein Plastik, alles Metall – und wirklich sehr, sehr gefällig anzusehen und hochwertig wirkend.

Alles was die obere Daiwa kann, kann die Lars Hansen auch, jedoch in jedem einzelnen Teilbereich ein kleines Stück weit besser. Sie wirft weiter, läd sich noch besser auf und ist insgesamt beim Drill optimal, insbesondere bei etwas größeren Fischen merkt man die ausgesprochen schnelle Reaktion auf veränderten, nachlassenden oder steigenden Zug an der Leine, Kopfschläge, Sprünge usw. Mir war dies in den letzten zwei Jahren der beliebste Blank im Drill, wenngleich es Ruten gibt, die noch weiter werfen, mir aber gerade im Drill einfach zu steif sind. Für mich besitzt der Blank der Lars Hansen genau die richtige Aktion, die ich von einer Meerforellen Rute erwarte.

Northtackle Custom Rod Mefospin (Oberklasse)

Jetzt reden wir über Handgemachtes: Die Northtackle Mefospin kommt eigentlich schon fast etwas schlicht daher, alles schwarz, nur ganz dezente Zierbindungen, schwarze Ringe, schwarze Zierringe. Natürlich kann man bei Northtackle auch jede andere Farbe für Zierringe und Wicklungen bestellen, bei handgemachten Ruten direkt vom Rutenbauer, hat man ja nun einmal die freie Auswahl was die Optik & Komponenten angeht, ich habe dort auch schon Varianten in Pink gesehen.

Betrachtet man die Northtackle Mefospin genauer, fällt sofort das Griffende in Carbon-Optik auf, dass es auch wörtlich „in sich“ hat. Dort befindet sich eine abschraubbare Endkappe mit vier inliegenden Messinggewichten auf einem Innengewinde. Darüber lässt sich diese Rute mit nahezu jeder Rolle optimal austarrieren, ein entspanntes Fischen über viele Stunden hinweg ist so möglich. Der Rest ist schnell erzählt:

Die Northtackle Mefospin ist 10,6ft, also etwa 3,20m lang und hat ein Wurfgewicht v. 12-42g. Am Wasser habe ich sofort bemerkt, dass die Northtackle weiter wirft als meine Lars Hansen, die ich als Standard auch selbst fische, und dies nicht nur etwas. Die Sensibilität des Blank ist hervorragend, sowohl beim Spinnen, als auch im Drill, ich glaube, besser geht es einfach nicht. Im Resümee war die Northtackle, ohne jetzt auf zu viele Details näher einzugehen, sicher eine der mit Abstand besten Ruten die ich über die Jahre hinweg gefischt habe.

Handarbeit hat natürlich auch seinen Preis, auch darüber muss man reden. Die Northtackle Mefospin kostet locker das Dreifache gegenüber anderen, handelsüblichen Meerforellen Ruten, aber wer engagiert, gern und oft am Wasser ist, wird den Unterschied in der Performance nicht mehr missen wollen. Und weil dies da oben alles nur meine subjektive Wahrnehmung zu den Testkandidaten beschreibt, kommen wir jetzt doch einmal ganz konkret zu ein paar Fakten:

Leistung ist messbar!

Und ja, dies gilt auch für Zielfischruten. Ich kenne kaum jemanden der am Wasser Entfernungen auch nur halbwegs zutreffend einschätzen kann. Wenn ich dann immer wieder irgendwo lese, dass manche Angler 100m weit geworfen haben wollen, haben diese wohl ganz vergessen die 7 Windstärken im Rücken zu erwähnen? Und über Wasser hinweg, ohne jeden optischen Bezugspunkt, sieht es noch einmal ganz anders aus mit einem relativ genauen Schätzergebnis!

Ich habe alle drei Ruten mit der gleichen Rolle, gleichen Schnur und gleichem Köder (30g ohne Haken) auf einem hinter dem Hause befindlichen Feld bei nahezu Windstille geworfen und anschließend mit dem Bandmaß die Entfernungen gemessen und notiert. Ich habe mit jeder Rute 4 Würfe gemacht und den jeweils Besten davon hier festgehalten.

Dies sind die Ergebnisse:

Daiwa: 69m

Lars Hansen: 76m

Northtackle: 82m

Fazit: Jeder engagierte Meerforellen-Angler weiss, dass es auf das Tackle nur bedingt ankommt, wenn er erfolgreich am Wasser sein will. Andererseits können 5-10m mehr oder weniger Wurfweite an manchen Spot den gewünschten Erfolg ausmachen – oder eben auch verhindern! Das Gleiche gilt für den Drill. Wer unnötig viele Fische im Drill verlieren möchte soll dies tun, aber sich bitte auch nicht darüber beklagen, wenn er starrsinnig eine schlichtweg zu harte Rute an der See fischt. Dass man schon sehr preiswerte, aber durchaus brauchbare Meerfollen Ruten bekommen kann, sollte dieser Artikel vermitteln, und auch das Derjenige, der einen etwas höheren Anspruch hat dazu auch deutlich „Mehr“ bekommen kann. Und weil ich die Wurfweiten sowieso getestet habe, habe ich gleich noch eine 55iger Spule gegen eine 40iger getestet. Der Unterschied macht noch einmal im Schnitt 5-6 Meter aus. Die oberen Werte stammen von der 55iger Spule. Dies merke ich nur für die Leute an, die immer noch eine 3000der Rollengröße favorisieren, wahrscheinlich aus Gewichtsgründen…

Die beiden erstgenannten Serien-Ruten sind überall im Handel zu haben, die Northtackle bekommt ihr hier: www.rutenbauwerkstatt.de

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Arthur sagt:

    Ich mache auch oft die Erfahrung dass viele Leute nicht mit der richtigen Ausrüstung. Wenn man sie nach den Gründen fragt, hört man immer wieder die selbe Begründung:

    „Es ist mir zu teuer für jeden Zielfisch eine eigene Rute und Rolle zu kaufen“.

    Irgendwie kann ich das Argument auch verstehen. Viele Hobby-Angler können für ein saisonelles Hobby nicht viel Geld ausgeben.

    Aber an Rute und Rolle sollte man meiner Meinung nach nicht sparen. Dann doch lieber einen günstigen Koffer.

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  2. jim sagt:

    Hi, ich wollte mich bedanken für ihre sehr gut und faires test Bericht bedanken. Ich kenne Andy von Northtackle persönlich durch Angeln und habe selber ein von ihn umgebautes Rute nach meine Vorstellung. Sein Arbeit is wirklich top und sein Ruten.. Was kann ich sagen? Die sind meine Meinung nach das Geld wirklich wert. Er prüft jeder Rute selber bevor er es in sein klein Serie aufnimmt und er is nicht gerade zimperlich dabei. Wann man eine Rute fürs Leben möchte.. Da gibt es für mich nur die eine Adresse..

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  3. Felix Arnst sagt:

    Hallo Jim,
    dies kann ich nur bestätigen. Andis Ruten sind das Produkt eines Anglers für Angler und berücksichtigen dabei auch besondere Ansprüche. Wer einmal etwas anderes haben möchte als eine Serienrute kann sich bei Northtackle darauf verlassen genau das zu bekommen, was vorher bestellt wurde. Fetter Daumen nach oben!

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  4. Thomas sagt:

    Hallo Herr Arnst
    Ein wirklich schöner und informativer Bericht über Meerforellenruten. Ich interessiere mich für die Rute Mefospin von Northtackle.
    Ist der Blank bzw. die Rute feinfühlig genug, um auch kleinere Köder von zirka 12 Gramm auf eine ansprechende Weite werfen zu können? Lassen sich die Köder in der 12/15 Grammklasse noch gut führen? Über Ihre Einschätzung bzw. Antwort möchte ich im Voraus bedanken. Mit freundlichen Grüßen Thomas

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  5. Hy ehrlich gesagt komme ich mit den überlangen Griffen von den Zweihandspinnruten nicht so richtig klar. Hab immer Schulterschmerzen, um das zu kompensieren hab ich die Stationärrolle auf Rechtshandbetrieb umgestellt.

    Auch spiele ich mit dem Gedanken, wie manche britische Topangler auch, eine Zweihandfliegenrute mit Stationärolle zu bestücken.

    Und die Rutenaktion sollte eher eine harte Parabolic sein.

    Ähnlich wie Karfenruten.

    Auch hab ich noch eine alte Kohlefaser-Revolwer-Griff-Rute von Abu-Garcia als Two-Hander.

    Und da die Multi-Baitcaster unglaublich günstig gebraucht zu haben sind, mir wieder eine solche, zu kaufen.

    Mit der Multi hab ich die meisten meiner Hechte gefangen.

    Liebe Grüsse aus Plön.

    Fritz Raddatz

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  6. Anselm sagt:

    Ich habe seit 3 Wochen die Lars Hansen Seatrout und kann mich nicht beschweren. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top und vor allem ist die Rute stabil und liegt gut in der Hand.

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